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Sieben Fragen zu den Panama Papers

Sieben Fragen zu den Panama Papers

Von Wolfgang Krach, Chefredakteur

Wird die SZ die Panama Papers der Allgemeinheit zur Verfügung stellen?

Nein. Die SZ wird die Daten nicht der Allgemeinheit und auch nicht den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung stellen. Denn die SZ ist nicht der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft oder der Steuerfahndung. Staatliche Ermittlungsbehörden haben in Deutschland wie im Ausland bereits jetzt, bei entsprechendem Verdacht, die Möglichkeit, die Unterlagen bei den Betroffenen zu beschlagnahmen.

Wird die SZ die Namen aller Personen in den Panama Papers veröffentlichen?

Die SZ wird nicht alle Namen veröffentlichen, die in den Panama Papers zu finden sind. Bei vielen Firmen und Privatpersonen, die in den Daten vorkommen, fehlt ein berechtigtes öffentliches Informationsinteresse. Ein solches kann insbesondere dann vorliegen, wenn es einen begründeten Anfangsverdacht gibt, dass eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens eine Straftat begangen hat, zum Beispiel Steuerhinterziehung. Ein fiktives Beispiel: Wenn ein prominenter deutscher Bankmanager sein Haus auf Mallorca in einer Briefkastenfirma versteckt hat, die Steuern hierauf aber ordnungsgemäß bezahlt, gibt es für uns in der Regel keinen Grund, hierüber zu berichten. Das wäre in den meisten Fällen presserechtlich auch gar nicht zulässig.

Warum berichtet die SZ nicht über westliche Politiker beispielswiese aus Deutschland und den USA in den Panama Papers?

Politiker aus Deutschland und/oder den USA finden sich bislang nicht in den Unterlagen. Deshalb können wir auch nicht über deutsche oder US-amerikanische Politiker berichten. Der einzige Fall, den wir bislang sehen, ist der des früheren CDU-Schatzmeisters Helmut Linssen. Dieser hatte eine Offshore-Firma, die von Mossack Fonseca gegründet war. Als dieser Sachverhalt 2014 bekannt wurde, trat Linssen von seinem Amt als CDU-Schatzmeister zurück. Die SZ hat damals über den Fall berichtet.

Warum wurde genau dieser Veröffentlichungstermin gewählt?

Vor der Veröffentlichung stand eine aufwändige, monatelange Recherche mit Planungstreffen auf mehreren Kontinenten und 400 beteiligten Journalisten. Dieser Veröffentlichungstermin war der frühstmögliche.

Was ist die wahre Motivation der Quelle?

Wie wir hier berichtet haben: Die Quelle hat uns gegenüber sehr klar einen moralischen Antrieb vorgebracht. „Ich will, dass diese Straftaten öffentlich werden“, sagte sie der SZ.

Hat die Quelle Mossack Fonseca gehackt, wie die Kanzlei behauptet?

Wie die Quelle an die Daten gekommen ist, ist uns nicht bekannt.

Wer finanziert das ICIJ und warum arbeitet die SZ mit diesem Netzwerk zusammen?

Mit dem ICIJ arbeitet die SZ bereits seit Jahren bei internationalen Recherche-Projekten gut zusammen. Weil diese Zusammenarbeit eng, vertrauensvoll und professionell ist, haben wir das ICIJ auch bei Panama Papers als Kooperationspartner ausgewählt. Darüber hinaus verfügt das ICIJ über eine hohe Expertise und viel Erfahrung in der journalistischen Aufbereitung von Daten. Dies war hier sehr hilfreich. Das ICIJ, gegründet 1997, ist ein internationaler Verein für investigative Journalisten. Ihm gehören weltweit etwa 200 Journalisten an, darunter vier Reporter der SZ. Das ICIJ gehört zum Center for Public Integrity (CPI), einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation für Investigativjournalismus. CPI und ICIJ werden aus Spendengeldern finanziert, in jüngster Zeit unter anderem von Stiftungen aus Australien, Großbritannien, den Niederlanden und den USA, darunter die Ford Foundation, die Adessium Foundation, die von George Soros gegründete Open Society Foundation; außerdem durch das Pulitzer Center of Crisis Reporting.